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Terra X: Das Alte Ägypten  | 22.04.2011  Im Zeichen des Sonnengottes (3/4)

Echnaton bricht mit den Traditionen

Um 1350 vor Christus ist Ägypten ist so machtvoll wie nie zuvor. Seit einem halben Jahrhundert herrscht Frieden im Reich, in dem gut vier Millionen Menschen leben. Doch schon bald bahnt sich hier ein Machtkampf an, der das Land erschüttern wird. Der neue Pharao Echnaton bricht mit dem Jahrtausende alten Kult und stürzt das Land ins Chaos. Was trieb ihn an? Was ist sein Vermächtnis?  

Im Zeichen des Sonnengottes (3/4)

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Echnaton und Nofretete
Echnaton und Nofretete (Quelle: ZDF)

Die einmalige Geschichte Echnatons beginnt mit seinem Vater Amenophis dem Dritten. Der Pharao lässt sich in gewaltigen Bauwerken als "Gott auf Erden" feiern, als Abbild des Sonnengottes. Eine geschickte Kampfansage an die Priester, denn hinter den Kulissen schwelt schon lange ein Konflikt: Seit der Gründung Ägyptens vor über tausend Jahren steht der Pharao an der Spitze des Staates. Doch die Amun-Priester gewinnen immer mehr Einfluss auf die Politik des Landes.

Amenophis als Gott der Sonnenscheibe

Für Amenophis den Dritten sind Reichtum und Macht der Priester zum Problem geworden. Seine Vorgänger haben einen Großteil der Kriegsbeute aus ihren Feldzügen den Göttern gestiftet. Gold, Silber, aber auch Kupfer und andere wertvolle Rohstoffe haben die Schatzkammern der Amun-Tempel gefüllt. Die Vorgänger von Amenophis waren bedeutende Feldherren. In vielen Schlachten haben sie nicht nur die Grenzen des Reichs gesichert und dem Land dauerhaften Frieden gebracht. Sie eroberten auch Palästina und Syrien und herrschten schließlich von Nubien - dem Goldland der Pharaonen - bis zum Euphrat in Vorderasien.

Amenophis-Tempel
Ägypten:Amenophis-Tempel 2 (Quelle: ZDF)
Aus unterworfenen Völkern wurden tributpflichtige Vasallen, deren Reichtümer nach Ägypten flossen. Anders als sein Vorgänger Thutmoses der Dritte, der allein siebzehn Feldzüge unternahm, zieht Amenophis nie in einen großen Krieg. Er hat ein Weltreich geerbt und muss keine fremden Völker unterwerfen. Und trotzdem wagt er mehr als alle vor ihm: Seine Kampfansage richtet sich gegen die mächtige Priesterschaft des eigenen Reiches.

Amenophis identifiziert sich mit dem Gott der Sonnenscheibe Aton, der die ganze Schöpfung umfasst und für alle sichtbar ist. Es ist dieser Sonnenkult, den sein Sohn entscheidend ausbauen wird. Als Amenophis im 38. Jahr seiner Regierung stirbt, folgt Echnaton. Er will vollenden, was sein Vater einst begann.

Echnatons Bruch mit den Traditionen

Im vierten Jahr seiner Herrschaft gibt Echnaton den Befehl, die Tempel des Reichsgottes Amun zu schließen - für immer. Der neue Pharao lässt seine Anhänger die Gotteshäuser stürmen, Tempelschätze beschlagnahmen und die Götterbilder zerstören. Nie zuvor sollte ein ganzes Volk seinen Göttern abschwören, ein ungeheures Sakrileg. In allen Tempeln lässt er den Namen des Reichsgottes Amun ausmeißeln. Von jetzt an soll Aton allein über Ägypten herrschen, der Gott des gleißenden Sonnenlichtes. Echnaton und seine Mitregentin Nofretete sind von nun an die die einzigen Mittler zum neuen Gott.


Priester vor dem Tempel in Ägypten
Priester vor dem Tempel in Ägypten (Quelle: ZDF)
Die Tempel des Aton sollen die Heiligtümer des Amun in den Schatten stellen, sie erhalten sämtlich Steuereinnahmen. Alle anderen Tempel dagegen geraten in wirtschaftliche Schwierigkeiten und sind nicht überlebensfähig. Verzweifelt versuchen die Priester des Amun, die Statuen ihres Gottes zu retten. Doch jeder Widerstand ist zwecklos, Aufrührer werden in Straflager verbannt.

Echnaton will auch weg von der Hauptstadt Theben, das noch ganz den Geist Amuns atmet. 400 Kilometer nördlich davon gründet er in seinem fünften Regierungsjahr ein neues Zentrum - Achet-Aton - der "Horizont des Aton" - auf fast menschenleerem Gebiet, mitten im Wüstensand. Dort lassen Echnaton und Nofretete sich als Kinder des Sonnengottes feiern.

Eingottglaube wird nicht akzeptiert

Die neue Religion ist einfach. An die Stelle der vielen Götter ist Aton getreten. Und anders als diese trägt er auch nur einen einzigen Namen. Einheit statt Vielheit. Seine neue Vision des einen Gottes sollte für alle gelten - doch sie bleibt die Religion einer kleinen Elite. Der Großteil der Menschen sehnt sich nach der herkömmlichen Ordnung mit ihren vielen Göttern, die ihr Leben bisher bestimmte. Dazu Ägyptologe Donald Redford: "Sogar in seiner eigenen Stadt wird Echnatons neue Religion kaum angenommen. In den Randbezirken von Amarna hat man kleine Götterstatuen und Fetische der alten Kulte gefunden. Selbst an diesem neuen Ort beten die Menschen noch zu den alten Göttern." Echnaton, der Gottessohn, hatte sein Volk vergessen.

Ägypten: Archäologische Grabung am Amenophis-Tempel
Ägypten: Archäologische Grabung am Amenophis-Tempel (Quelle: ZDF)

Der große Religionsstifter scheitert und stirbt in jungen Jahren. Kaum etwas wird von seinem Lebenswerk übrig bleiben. In die Erinnerung Ägyptens geht er als Ketzer ein. Seine Stadt Achet-Aton ist dem Untergang geweiht. Ihre Bauten werden geschleift, die Steine als Baumaterial neuer Tempel für die alten Götter verwendet. Die Jahrtausende alten Traditionen haben sich als stärker erwiesen.

Vorläufer des Monotheismus

Echnatons Andenken wird verfemt. Sein Name von der offiziellen Königsliste gestrichen. Sein Sohn Tutenchamun verflucht das Vermächtnis seines Vaters und stellt die alte Ordnung wieder her. Amun kehrt auf seinen Götterthron zurück, und die Macht der Priester ist stärker als zuvor. Nie wieder wird ein Pharao ihre Rolle in der ägyptischen Gesellschaft beschneiden. Theben verliert seinen Status als Hauptstadt, doch bleibt bis zum Ende der ägyptischen Geschichte religiöses Zentrum des Landes.

Echnatons gescheiterte Revolution brachte eine neue Art Frömmigkeit hervor. Weil der Pharao sie als oberster Priester enttäuschte, wandten sich die Menschen nun direkt - ohne Mittler - an die Götter. Die vielen Götter Ägyptens - sie konnte Echnaton nicht stürzen. Damals war er mit der Verehrung eines einzigen Gottes seiner Zeit weit voraus. Doch die Saat seiner Idee wird Jahrhunderte später aufgehen: in den monotheistischen Religionen von Judentum, Christentum und Islam. Heute erkennt man in Echnaton den Vorläufer von Moses, Jesus und Mohammed.

22.04.2011, Quelle: ZDF

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